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schrieb am 10. Januar 2026 um 10.19 Uhr
Was soll man dazu sagen… „Da hast Du Dich einfach mir nichts dir nichts durch de Köht jemacht.“ Um in Deinen Worten zu sprechen, als Du letztes Jahr mit dem Tod Deines geliebten Rolf den wohl schwersten Verlust Deines Lebens hinnehmen musstest.
Der Anlass warum wir hier nun zusammenstehen, könnte auch nicht trauriger sein. Dennoch ist es ein bisschen wie ein runder Geburtstag oder ein Jubiläum. Man erinnert sich an die vielen kleinen und großen Momente. An die schönen und auch nicht so schönen Ereignisse, die Du erlebt hast und Dich zu der Person gemacht haben, die Du warst. Eine liebevolle, fürsorgliche, selbstlose, rundum ehrliche und tollste Mama, Oma, Uroma und Freundin, die man sich hätte wünschen können.
Deswegen möchte ich auch gar nicht so sehr auf die hinter Dir liegende jüngere Zeit eingehen, die sehr belastend, traurig und schrecklich für Dich gewesen sein muss. Und auch nicht auf die Geburt und das Heranwachsen Deiner Kinder und Enkelkinder. Wir alle wissen wie viel sie Dir bedeutet haben. Vielmehr möchte ich versuchen ein paar kleinere Dinge aus Deinem Leben herauszukramen, die mir in guter Erinnerung geblieben sind und die Du immer wieder gerne mit glänzenden Augen erzählt hast.
Zum Beispiel, dass Du als junges Mädchen viel Zeit bei Oma Bertha und Opa Paul verbracht hast und superstolz darauf warst, dass Dein Opa eines der wenigen ersten Motoräder in der Düsseldorfer Nachkriegszeit besaß. Und das auch noch mit Beiwagen, in dem Du mitfahren und vor Deinen Freundinnen mächtig angeben durftest.
Tierliebe war etwas ganz Wichtiges in Deinem Leben. Ich kann mich nicht daran erinnern, ob Du jemals irgendein Geschöpf nicht gemocht hast. Woran ich mich jedoch noch erinnere, ist die Geschichte auf einem Bauernhof, auf dem Du eine frühe Form des Umweltklebers zelebriert hast. Der Bauer wollte Kühe zum Schlachter bringen. Als Du davon erfuhrst, hast Du Dich einfach solange vor die Ausfahrt gestellt, bis der Bauer es schließlich aufgegeben und die Kühe wieder zurück in den Stall gebracht hat. Jedenfalls bis Dein Bauernhofurlaub beendet war.
Als ich vor einigen Tagen alte Fotos angesehen habe, fiel mir ein frühes Bild von Dir in die Hände, welches bei einem Fotografen gemacht wurde. Auf dem Foto hast Du eine Puppe in den Armen gehalten und schaust ziemlich mürrisch drein. Ich weiß noch genau, dass Du diese Aktion ziemlich doof fandest, weil Du lieber Deine eigene Puppe nehmen wolltest und der Fotograf Dir gesagt hast, dass seine Puppe doch viel schöner sei. Das geht ja gar nicht. Den Missmut konntest Du auf dem Foto einfach nicht verstecken.
Dann habe ich noch ein Foto gefunden, welches mich daran erinnerte, dass Du erst mit Ende dreißig den Führerschein gemacht hast. Auf dem Foto war Dein allererstes Auto, ein quietschgrüner Opel Ascona A, zu sehen, auf den Du total stolz warst und ihm den liebevollen Namen „Wiesensohle“ gegeben hast. Allerdings konnte man auf dem Bild auch die allererste kleine Beule erkennen, die Du leider verursacht hast und völlig aufgelöst nach Hause kamst, als es passiert war. Die Beule befand sich genau in der Mitte auf der Spitze der Motorhaube und gehörte ab dann zum Wiedererkennungszeichen des wirklich schönen Autos.
Das bringt mich dazu, zu erwähnen, was für eine tolle Autofahrerin Du eigentlich warst. Immer souverän und gelassen mit einem Naturtalent zum Einparken. Frau am Steuer, Ungeheuer? Jedenfalls nicht bei Dir. Das hast Du im Taxigeschäft wahrlich bewiesen und konntest zuverlässig allzeit Deine Fahrgäste sicher ans Ziel bringen.
Zuverlässig, das warst Du wirklich. Wenn Du etwas versprochen hast, hast Du es auch gehalten und bist stets zur Stelle gewesen. Wenn auch im privaten Umfeld nicht immer ganz pünktlich. Du hast Dich oft auf den letzten Drücker so beeilen müssen, dass Du klatschnass geschwitzt angekommen bist. Das hat uns zwar manchmal Nerven gekostet, aber auch diese Eigenschaft gehörte zu Dir.
Man könnte noch stundenlang weitererzählen und in der Vergangenheit schwelgen. Doch jetzt hat uns leider die Gegenwart eingeholt. Wir sind jedenfalls sehr, sehr dankbar dafür, dass wir so viele schöne gemeinsame Lebensjahre mit Dir verbringen durften.
Jetzt bist Du hoffentlich wieder einem Teil Deiner Liebsten. Vor allem bei Deiner geliebten Maus Rolfi.
Papa hat mal zu Dir gesagt, dass er lieber in die Hölle möchte, weil dort mehr los ist. Außerdem könnte er Dir dann ein paar Feuerblitze hochschicken, solltest Du irgendeinen Unsinn machen. Wir hoffen doch sehr, dass er inzwischen umgezogen ist. Denn für uns gehörst Du in den Himmel, zu Deinesgleichen, zu all den lieben Engelchen.
Wir vermissen Dich und Du fehlst uns sehr. Aber tief in unseren Herzen wirst Du auf ewig bewahrt sein. Wir werden Dich immer lieben und ehren.